Du willst alles über die klassische Nassrasur erfahren? Wir haben mit einem echten Experten gesprochen, für den die traditionelle Nassrasur mehr als nur tägliche Routine ist. Für Andreas Szekely aus Ungarn zählt sie seit mehreren Jahren als seine große Leidenschaft – er sammelt alte Rasierutensilien und tauscht sich mit anderen Nassrasur-Liebhabern über Produkte und Tipps aus. Unser Interview ermöglicht dir spannende Einblicke in die Welt der klassischen Nassrasur.

Wir wollten wissen:

Was finden Sie an der Rasur so faszinierend? Und was begeistert Sie persönlich am meisten an der klassischen Nassrasur?

Ich liebe die Dinge, die mit der klassischen Nassrasur in Zusammenhang stehen. Das Design, die edlen Materialien, die bei den Vintage-Rasierern verwendet werden, die schönen Dachsrasierpinsel und die Seifenstiftbehälter. Auch die tollen Düfte der handgemachten Seifen- und After-Shaves. Das Faszinierende an der klassischen Nassrasur ist außerdem, dass man sich jeden Tag Zeit für sich selbst nimmt. Gerade in der heutigen Gesellschaft ist dieses Ritual eine wundervolle Entspannung.

Wie hat sich die Rasur Ihrer Meinung nach im Laufe der Zeit verändert?

Als Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Sicherheitsrasierer auf den Markt kamen, wurde es für Männer einfacher, sich zu Hause selbst zu rasieren. Seitdem existiert der Anspruch, die Rasur sicherer und natürlich auch bequemer und schneller zu gestalten. Dies wird immer wichtiger, da das Rasieren für fast jeden Mann eher eine unvermeidliche Notwendigkeit und nicht ein Hobby darstellt, wie für einige von uns.

Bei vielen Rasierern vertrieb die Einfachheit mit der Zeit zunehmend den Komfort für das Gesicht. Die einfache Bedienung machte es überflüssig, sich mit der Vorgehensweise der klassischen Rasur zu beschäftigen.

Was ist Ihre Rasierroutine?

Seitdem ich meine Rasiertechnik optimiert habe, rasiere ich mich jeden Morgen. Und das vor dem Duschen, denn dann ist der Spiegel nicht beschlagen. Darüber hinaus brauche ich bei richtigem Aufschäumen der Rasierseife nicht die zusätzliche Hydration einer warmen Dusche.
Dann wähle ich einen meiner Rasierpinsel aus – mal mit Dachs-, mal mit Wildschwein- oder mal mit Pferdehaarborsten. Je nach Lust und Laune. Ich entscheide mich für einen meiner Rasierhobel, eine passende Rasierseife und ein passendes After-Shave. Wenn es die Zeit erlaubt, mache ich für meinen Blog meistens auch ein abschließendes „Rasur des Tages“-Foto.

Ich bevorzuge es, den Schaum direkt in meinem Gesicht aufzuschlagen, indem ich langsam Wasser über den Rasierpinsel fließen lasse und anschließend den Schaum so lange aufschlage, bis dieser zu einer gleitfähigen Masse wird. Dann rasiere ich mich in drei Durchgängen: mit der Wuchsrichtung, quer zur Wuchsrichtung und entgegen der Wuchsrichtung. Vor jedem Durchgang trage ich wieder neuen Schaum auf mein Gesicht auf. Am Wochenende, wenn ich mehr Zeit habe, lege ich ein, vor der Rasur ein mit heißem Wasser durchtränktes Handtuch auf mein Gesicht, um die Poren zu öffnen. Durch die Routineerfahrung aus mehreren Jahren dauert all dies nicht viel länger als zehn Minuten, vielleicht fünfzehn Minuten, wenn man das heiße Handtuch noch mit einberechnet.

Wie hat Ihre Leidenschaft für die Rasur und das Sammeln von Rasierprodukten begonnen?

Vor etwa fünf Jahren, kurz vor Weihnachten, stieß ich auf ein Video auf YouTube. In dem Video zeigte der Besitzer eines Nassrasur-Geschäfts, wie er mit einem Pinsel aus einer Rasierseife einen Schaum herstellt, eine Klinge in einen Sicherheitsrasierer steckt und sich so rasiert. Ich war begeistert, wie cool und wie männlich das war. Und so merkwürdig es auch klingen mag – ich habe 10 Minuten lang beobachtet, wie sich ein Typ in seinem Badezimmer rasiert. Meine Frau ging gerade hinter mir vorbei und sagte zu mir: „Mach das doch auch!“ und ab dem Moment wollte ich es unbedingt ausprobieren. Also fing ich an zu googeln und erkannte, dass Nassrasur ein eigenes Thema für sich ist. Ich las mich durch eine Menge von Infomaterial zu der richtigen Auswahl der Ausrüstung für Anfänger oder der richtigen Rasiertechnik.

Bald entwickelte sich meine Rasierroutine zu einem Hobby, bei dem ich schöne Rasierhobel- und -messer nach meinen Vorlieben sammelte. Meinen ersten Rasierhobel und alle Weiteren danach, wählte ich auf Grundlage der Empfehlungen eines Forums aus. Ich stellte Fragen, bekam sofort eine Anleitung und nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass ich anderen Neulingen auch bereits Empfehlungen auf Grundlage meiner eigenen Erfahrungen geben kann. Damals kaufte ich meinen ersten Rasierer in einer edel glänzenden Metallbox. Und ich verliebte mich einfach in die Schönheit und Handwerkskunst dieses alten Rasierers. Mit der Zeit sortierte ich fast alle meine modernen Rasierer aus und begann, 80-100 Jahre alte „Handwerkskunst“ zu sammeln – schöne und interessante Stücke, alle gleichzeitig aber alltagstauglich. Die Stücke lieferten ein solch perfektes Rasurergebnis, das ich noch nie zuvor erlebt hatte.

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Was begeistert Sie an Wilkinson-Rasierern?

Es gibt zwei Wilkinson Rasierer-Modelle, die ich einfach liebe. Eines aus den 1920er und eines aus den 1930er Jahren. Es sind wunderschön verarbeitete Kunstwerke und inzwischen beide Wunder des Maschinenbaus. Die beiden Rasierer sind mit so vielen kleinen, aufwendigen Details versehen, dass man sie einfach lieben muss. Sie sind voll von kleinen Stellschrauben zur Einstellung des Rasierkopfwinkels, des Schutzleistenabstands und der Klingenbelichtung.

Mein Favorit ist der Pall Mall Sicherheitsrasierer, der auch mit modernen und heutzutage leicht erhältlichen einschneidigen Klingen verwendet werden kann, so dass man die Klingen nicht selbst schärfen muss.

ihr wertvollstes Sammlerstück?

Diese drei Schick Rasierer auf dem Foto. Von links nach rechts: Typ B aus den späten 1920er Jahren, Typ E aus den 30er Jahren, Typ F von 1940-41:

Darüber hinaus mein Liebling, der Wilkinson Sicherheitsrasierer, genannt Pall Mall, aus dem Jahr 1928:

Was erwarten Sie von einer klassischen Nassrasur?

Zehn Minuten Entspannung und die Freude an schönen Gegenständen. Und natürlich nicht weniger als eine mühelose, bequeme, reizfreie Rasur und das anschließende Gefühl einer weichen und glatten Haut.

Wie glauben Sie wird sich die klassische Nassrasur zukünftig verändern?

Der Markt ist derzeit stark segmentiert und die Akteure jedes Segments verfolgen einen mehr oder weniger klaren Weg.

Es gibt einige High-End-Anbieter mit geringem Verkaufsvolumen, die einen Nischenmarkt ansprechen. Soweit ich weiß, sind die meisten dieser Anbieter im allgemeinen Familienunternehmen oder sogar Kleinstunternehmen mit nur ein bis zwei Mitarbeitern. Diese Anbieter stellen Rasierer her, die sich durch eine präzise Technik und hochwertige Materialien, wie Edelstahl oder Messing auszeichnen. Sie investieren viel Aufwand in die Produktentwicklung und bringen von Zeit zu Zeit neue Designs heraus. Einige von ihnen bieten sowohl High-End- als auch Mid-Range-Produkte an. Die Rasierer dieser Unternehmen sind bei denjenigen beliebt, die bereit sind mehrere hundert Euro für einen Rasierer auszugeben, um diesen über Generationen weiterzureichen.

Darüber hinaus gibt es einige große Marken im mittleren Preissegment mit einem größeren Portfolio. Beispielsweise eine begrenzte Anzahl von Standard-Rasierköpfen mit einer größeren Auswahl an Griffen oder Sets, bei denen auch Rasiermesser zusammen mit Rasierpinseln und Rasierständern im selben Design gekauft werden können.

Ebenso existieren chinesische Billiganbieter mit einem immer breiter werdenden Sortiment. Preislich liegen die Rasierer im Bereich von einem bis 25 Euro. Die Entwicklung dieser Anbieter bleibt interessant, da sie auch in der Rasiererproduktion dem Muster folgen, dass sie beispielsweise schon in der Automobilindustrie erfolgreich angewendet haben.

Dein Wissensdurst ist noch nicht gestillt? Dann besuche doch Andras Szekelys Instagram-Kanal @szekelya72, auf dem er regelmäßig Fotos und Beiträge veröffentlicht.

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